Im Frühjahr 2026 führt die Gewerkschaft ver.di Tarifverhandlungen mit dem Lufthansa-Konzern über einen neuen Vergütungstarifvertrag für rund 20.000 Bodenbeschäftigte in mehr als 20 Konzerngesellschaften. Betroffen sind insbesondere Mitarbeitende im Check-in, in der Kundenbetreuung, in Wartung und Technik sowie in administrativen Bereichen. Die Lufthansa Tarifrunde 2026 umfasst unter anderem die Deutsche Lufthansa AG, Lufthansa Technik AG und Lufthansa Cargo AG.
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Die erste Verhandlungsrunde fand am 19. Januar 2026 in Frankfurt am Main statt. Nach Angaben der Gewerkschaft legte die Arbeitgeberseite kein Angebot vor und strebt stattdessen eine dreijährige Nullrunde an. Weitere Verhandlungen erfolgten am 11. und 12. Februar 2026.
Offizielle verkündete Verhandlungstermine
- 19.01.2026 – 1. Tarifverhandlung
- 11. / 12.02.2026 – 2. Tarifverhandlung
Zentrale Forderungen von ver.di in der Lufthansa-Tarifrunde
Kernforderung der Gewerkschaft ist eine monatliche Gehaltserhöhung von sechs Prozent, mindestens jedoch 250 Euro zur Stärkung niedriger Lohngruppen. Insgesamt fordert ver.di:
- 6 % mehr Gehalt, mindestens 250 Euro mehr
- 175 Euro mehr Ausbildungsvergütung
- einen Jobticket-Zuschuss von 59,85 Euro monatlich
- regelmäßige Stufenaufstiege in den Vergütungsgruppen 4D, L und N2
- eine Tariflaufzeit von 12 Monaten
Die Forderungen basieren auf einer Befragung von mehr als 4.500 Beschäftigten. Ergänzend verlangt die Gewerkschaft die Aufwertung technischer Berufsbilder, die Rücknahme abgesenkter Gehaltstabellen im Frachtbereich sowie die tarifliche Sicherung zuvor gestrichener Gehaltsbestandteile in der Logistik.
Geschäftsfeldspezifische Forderungen und Ausgliederungsschutz
Neben allgemeinen Vergütungsforderungen verfolgt ver.di geschäftsfeldspezifische Ziele: schnellere Stufensteigerungen bei Lufthansa Technik, neue grundgehaltswirksame Zulagen bei der Deutschen Lufthansa AG und die Abschaffung einer zweiten Vergütungstabelle bei Lufthansa Cargo.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der geforderte Ausgliederungsschutz für Beschäftigte der Passagierabfertigung in Frankfurt am Main und München, um eine Verlagerung in geringer vergütete Tochtergesellschaften zu verhindern. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft zusätzliche Urlaubstage für Mitglieder, die unbefristete Übernahme von Auszubildenden sowie die Fortführung und Erhöhung bestimmter Zulagen.
Der ver.di-Verhandlungsführer Marvin Reschinsky rechnet angesichts unterschiedlicher wirtschaftlicher Bewertungen mit anspruchsvollen Verhandlungen.
Streik bei Lufthansa: Auswirkungen auf Flugverkehr und Passagiere
Am 12. Februar 2026 kam es zu einem ganztägigen Streik von Piloten und Kabinenpersonal der Lufthansa. Dazu aufgerufen hatten die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Unabhängige Flugbegleiter Organisation. In Deutschland wurden infolge des Arbeitskampfes rund 800 Flüge gestrichen, etwa 100.000 Passagiere waren betroffen.
Umbuchungen wurden unter anderem auf Flüge der Tochtergesellschaft Eurowings sowie auf Verbindungen der Deutsche Bahn ermöglicht. Während die Piloten höhere Arbeitgeberbeiträge zur betrieblichen Altersversorgung fordern, strebt die Kabinengewerkschaft Tarifverhandlungen über einen Sozialplan an. Der Konzern bewertet die Arbeitsniederlegungen als überzogene Eskalation und verweist auf begrenzte finanzielle Spielräume.
Wirtschaftliche Lage der Lufthansa und strukturelle Herausforderungen
Wirtschaftlich zeigte sich der Lufthansa-Konzern 2025 gegenüber dem Vorjahr verbessert. Im ersten Halbjahr wurde ein Gewinn von 127 Millionen Euro erzielt, nachdem im Vergleichszeitraum 2024 noch ein Verlust angefallen war. Dennoch bleibt die Kernmarke wirtschaftlich belastet.
Zu den zentralen Herausforderungen zählen eine veraltete und heterogene Flugzeugflotte mit hohen Betriebs- und Treibstoffkosten sowie verzögerte Auslieferungen durch die Hersteller Boeing und Airbus. Zusätzlich wirken sich die schwache Konjunktur in Deutschland und steigende staatliche Abgaben im Luftverkehr negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit aus.