Der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) schließt für seine tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen Tarifverträge mit der Gewerkschaft ver.di ab. Diese gelten für die Hafenarbeiterinnen und Hafenarbeiter in den deutschen Seehäfen.
Tarifergebnis Juli 2025
Bereits nach zwei Verhandlungstagen einigten sich die Tarifparteien auf ein Ergebnis in der aktuellen Lohnrunde. Der Abschluss steht im Zeichen von Planungssicherheit für Unternehmen und spürbaren Einkommensverbesserungen für die Beschäftigten.
Die wichtigsten Punkte:
- Stundenlöhne steigen um 3,1 Prozent
- Jährliche Zulage in A-Betrieben erhöht sich um 600 Euro auf 4.384 Euro
- Einmalzahlungen: 1.800 Euro (A-Betriebe) und 1.200 Euro (B-Betriebe)
- Laufzeit: zwölf Monate
Der Abschluss bringt den Beschäftigten reale Einkommenszuwächse und sichert den Betrieben kurzfristige Kalkulationsgrundlagen.
Tarifergebnis August 2022
Nach intensiven Verhandlungen wurde eine deutliche Lohnsteigerung für rund 12.000 Beschäftigte in den Nordseehäfen erreicht.
- +9,4 Prozent in Vollcontainerbetrieben
- +7,9 Prozent in konventionellen Hafenbetrieben
- Weitere +4,4 Prozent ab Juni 2023
- Inflationsklausel mit möglicher Anpassung bis 5,5 Prozent
Die Einigung kam erst in der zehnten Verhandlungsrunde zustande, begleitet von Warnstreiks. Die Gewerkschaft bewertete das Ergebnis als wichtigen Ausgleich für die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Struktur der deutschen Seehafenwirtschaft
Der ZDS vertritt rund 140 Unternehmen an 15 Standorten in den Küstenländern. Das Leistungsspektrum reicht vom Containerumschlag über Massengüter bis hin zu Projektladungen, Automobillogistik sowie Fähr- und Kreuzfahrtverkehr.
Kennzahlen:
- 140 Unternehmen
- 15 Standorte
- 274 Millionen Tonnen Güterumschlag (2024)
- Rund 60 Prozent des deutschen Außenhandels laufen über Seehäfen
Wachstum im Güterumschlag 2025
Die deutschen Seehäfen verzeichneten 2025 ein deutliches Wachstum. Insgesamt wurden 284,4 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen – ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Treiber dieser Entwicklung war vor allem der gestiegene Import:
- Güterempfang aus dem Ausland: +5,3 Prozent (171,1 Mio. Tonnen)
- Güterversand ins Ausland: +0,5 Prozent (103,7 Mio. Tonnen)
- Innerdeutscher Seeverkehr: +15,7 Prozent (9,6 Mio. Tonnen, weiterhin geringe Bedeutung)
Auch die Handelsströme bei Energierohstoffen verschieben sich deutlich: Während die Erdgasimporte aus den USA stark zunahmen (+51,8 Prozent), gingen die Erdölimporte aus den USA zurück (-23,6 Prozent).
Transformation der Häfen: Druck wächst
Die Hafenwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Digitalisierung, Dekarbonisierung und neue Energie- und Logistikketten prägen die Entwicklung.
Mit steigenden Umschlagmengen und größeren Anlagen wächst zugleich der Druck auf die Infrastruktur. Der ZDS sieht daher akuten Handlungsbedarf.
Zentrale Forderungen
- Ausbau von Schwerlast- und Montageflächen
- Leistungsfähige Kaianlagen
- Bessere Hinterlandanbindung, insbesondere für Windenergiekomponenten
- Langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen
- Milliardenbedarf für die Energiewende
Für die Anpassung der Häfen an die Anforderungen der Energiewende wird ein Investitionsbedarf von rund drei Milliarden Euro veranschlagt.
Geplant sind unter anderem:
- Spezialflächen für Offshore-Windkomponenten mit sehr hohen Stückgewichten
- Neue Liegeplätze für den Import grüner Energieträger
- Pipeline-Infrastruktur
- Ausbau von Landstromanlagen
- Elektrifizierung von Großgeräten
Der ZDS sieht dabei insbesondere den Bund in der Verantwortung. Die Hafeninfrastruktur sei zentral für Energiewende, Industrieversorgung und wirtschaftliche Resilienz.
Politische Forderungen und europäische Vernetzung
Der Verband fordert klare und langfristige politische Signale auf nationaler und europäischer Ebene. Dazu gehören:
- abgestimmte Ausbauziele
- gezielte Investitionen in Hafeninfrastruktur
- frühzeitige Einbindung der Hafenwirtschaft in energie- und industriepolitische Strategien
Zugleich ist der ZDS in ein breites Netzwerk eingebunden und arbeitet mit nationalen und europäischen Organisationen sowie politischen Akteuren zusammen.