Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) geht 2026 mit einer breit angelegten Tarifoffensive in mehrere Branchen. Im Fokus stehen deutliche Entgeltsteigerungen, bessere Ausbildungsbedingungen und strukturelle Reformen. Besonders in der Süßwarenindustrie betritt die NGG mit einer bundesweiten Tarifrunde Neuland.
Deutsche See Tarifabschluss am 19. März 2026
Nach bundesweiten Streiks haben sich die Gewerkschaft NGG und die Deutsche See Fischmanufaktur auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Für rund 1.800 Beschäftigte bedeutet der Tarifabschluss ein durchschnittliches Lohnplus von fünf Prozent. Die Einkommen steigen rückwirkend ab Februar 2026 um 2,9 bis 8,5 Prozent, eine weitere Erhöhung folgt 2027. Zusätzlich gibt es eine Einmalzahlung von 150 Euro, Gewerkschaftsmitglieder erhalten weitere 100 Euro. Auch Auszubildende profitieren von einer höheren Vergütung. Der Vertrag läuft über 24 Monate und sichert insbesondere die unteren Entgeltgruppen oberhalb des Mindestlohns ab.
Süßwarenindustrie: Erste bundesweite Tarifrunde geplant
Erstmals sollen die Entgelte für rund 50.000 Beschäftigte der Süßwarenindustrie bundesweit einheitlich verhandelt werden. Die NGG rechnet mit Widerstand der Arbeitgeber, setzt jedoch auf ein starkes gemeinsames Signal für bessere Arbeitsbedingungen in der gesamten Branche.
Forderungen im Überblick
- +500 Euro für die unteren Tarifgruppen (A–E)
- +400 Euro für alle weiteren Tarifgruppen
- +200 Euro für Auszubildende
- +50 Euro Fahrkostenpauschale monatlich für Azubis
Der Start der ersten Verhandlungsrunde ist für April 2026 vorgesehen.
Zweite Baustelle: Eingruppierungstarifvertrag
Parallel verhandelt die NGG über einen neuen Eingruppierungstarifvertrag (ERTV). Ziel ist ein transparentes, diskriminierungsfreies System, das Tätigkeiten, Anforderungen und Qualifikationen klar bewertet und damit die Grundlage für faire Löhne schafft.
Die Tarifrunde in der Süßwarenindustrie ist damit eine Doppeltarifrunde, die sowohl Entgelte als auch strukturelle Fragen umfasst.
Lebensmittelindustrie: Leitlinien für 2026
Für die gesamte Lebensmittelbranche hat die NGG bereits Ende 2025 eine tarifpolitische Empfehlung beschlossen.
Zentrale Forderungen
- +4 bis +6 Prozent mehr Entgelt bei 12 Monaten Laufzeit
- Mindesteinstiegslohn: 14,70 Euro
- +80 Euro pro Ausbildungsjahr
- Übernahmegarantie nach erfolgreicher Ausbildung
- Fahrtkostenerstattung für Berufsschule und Ausbildung
Die NGG begründet die Forderungen mit anhaltend hohen Lebenshaltungskosten und wachsendem Fachkräftemangel. Gute Arbeitsbedingungen seien entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Branchen.
Obst- und Gemüseindustrie: 5,5 Prozent mehr gefordert
Für rund 1.500 Beschäftigte in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland fordert die NGG in der obst- und gemüseverarbeitenden Industrie deutliche Einkommenssteigerungen.
Forderungen im Überblick
- +5,5 Prozent Entgelterhöhung (Laufzeit: 12 Monate)
- +100 Euro monatlich für Auszubildende
- Abschaffung der Ortsklassen (Einstieg in Verhandlungen)
Die NGG verweist auf steigenden Leistungsdruck und weiterhin hohe Preise als zentrale Begründung.
Milchindustrie Baden-Württemberg: Fokus auf faire Löhne
In der Milchindustrie Baden-Württembergs mit rund 2.000 Beschäftigten fordert die NGG:
Forderungen im Überblick
- +5 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung
- +90 Euro monatlich für Auszubildende
Auch hier stehen Arbeitsbelastung, Fachkräftesicherung und Preisniveau im Mittelpunkt der Argumentation.
Zähe Verhandlungen: Brot- und Backwarenindustrie
Bereits 2025 hatte die NGG in der Brot- und Backwarenindustrie in Baden-Württemberg und Hessen eine deutliche Erhöhung gefordert. Die Verhandlungen dauern noch an.
Forderungen 2025
- +6,5 Prozent Entgeltsteigerung
- +100 Euro für Auszubildende
- Tarifliche Übernahmeregelung
Die Forderungen wurden mit hoher Arbeitsbelastung und Fachkräftebedarf begründet.
Einigung in NRW, Koblenz und Trier
Der Bäckerinnungsverband West und die Gewerkschaft NGG haben sich in der dritten Tarifrunde auf einen neuen Entgelttarifvertrag für das Bäckerhandwerk in Nordrhein-Westfalen sowie in den ehemaligen Regierungsbezirken Koblenz und Trier geeinigt. Der Vertrag läuft 23 Monate und gilt rückwirkend ab Februar 2026. Beschäftigte erhalten zunächst eine Erholungsbeihilfe von 100 Euro für Februar und März. Ab April steigen die Stundenlöhne für Fachkräfte um 0,45 Euro, für ungelernte Kräfte um 0,25 Euro. Anfang 2027 folgt eine weitere Erhöhung um 2,5 Prozent. Ziel des Abschlusses ist mehr Planungssicherheit sowie die Stärkung von Fachkräften und Ausbildung im Bäckerhandwerk.
Breite Tarifoffensive mit strukturellem Anspruch
Die NGG verfolgt 2026 eine klare Strategie: Neben klassischen Lohnerhöhungen rücken strukturelle Themen wie transparente Eingruppierung, Ausbildungsbedingungen und Fachkräftesicherung stärker in den Fokus.
Besonders die geplante bundesweite Tarifrunde in der Süßwarenindustrie markiert dabei einen möglichen Wendepunkt in der Tarifpolitik der Branche.